Endlich war der langersehnte Tag da….

Meine erste Langdistanz stand am Sonntag, 24.07.16 in Zürich vor der Tür. Am Donnerstag konnte ich bereits an der Expo etwas Wettkampfatmosphäre schnuppern und holte noch ganz entspannt meine Startunterlagen ab. Am Freitag war die obligatorische Wettkampfbesprechung, sowie die Pastaparty auf der Landiwiese.

Am Samstag durfte ich noch die Teilnehmenden der 5150 Triathlon Zürich unterstützen und ab 15:30h hiess es für mich das Bike einchecken. Nach knappen 15min war das Prozedere auch bereits durch und ich machte mich langsam auf dem Heimweg um mich auszuruhen.

03:45h war am Sonntagmorgen Tagwache, meine Güte war das Früh. Wirklich gut geschlafen habe ich auch nicht aber naja, das ging vermutlich allen Athleten so. Rasieren, Sonnencreme einstreichen, die letzten Sachen packen und nach Möglichkeit noch etwas Frühstücken – die grösste Herausforderung war an diesem Morgen einige Bissen runterzukriegen, da ich ansonsten nie frühstücke.

Kurz nach 05:00h wartete schon mein persönlicher Chauffeur André Widmer von Fritschi Transporte & Umzüge AG auf mich, welche mich fast in die Wechselzone bringen konnte. Fühlte mich wie ein Pro ;-)

Die Wechselzone füllte sich langsam mit den knapp 1‘600 Athleten, es war eine ruhige und magische Stimmung. Habe nochmals das Bike und die Bag’s überprüft und dann ging es ab zum Einschwimmen. Der Zürichsee war angenehme 24 Grad warm und wir durften mit den Neo’s schwimmen. Die Morgenstimmung im See war einfach grandios.

Der Ironman Switzerland führt beim Schwimmen eine Art ‚Rolling Start‘ durch und wir Athleten mussten uns gemäss unserer Schwimmzeit in Blocks einstellen. Die Pro’s sind um 06:40h auf die Reise geschickt worden und die Altersathleten ab 06:45h. Wann ich genau ins Wasser geschickt wurde weiss ich nicht genau, ist aber auch egal jetzt hiess es aufgehts.

SWIM:
Die Schwimmstrecke war grundsätzlicher ein schöner gestreckter Kurs in Form eines ‚T’s‘, aber die Bojen, welche uns die Richtung weissten waren aber sehr schlecht ersichtlich. Weshalb ich sicherlich einige zusätzliche Meter zurückgelegt habe, war aber nicht weiter tragisch, denn alle Athleten hatten die gleichen Bedingungen. Nach gut 1:23:27h konnte ich das Schwimmen beenden und war irgendwie auch froh darüber.

T1:
Jetzt mit einem lockeren Schritt über die Safainsel in die Wechselzone und rasch in die Radbekleidung springen und ab die Post. Ich öffnete meinen Beutel im Wechselzelt und was sehe ich da? Einen Badetuch, ich habe aber keine Badetuch reingetan, schau kurz auf die Nummer 453, sche… ich habe aber die Nummer 452, okay cool bleiben nochmals retour und meinen korrekten Beutel holen. Neo abziehen, Helm auf, Socken und Schuhe anziehen alles wieder schön im Beutel verpacken und ab die Post.

BIKE:
Die Radstrecke ist leicht erklärt, es sind 2 Runden à 90km zu fahren, die ersten 30km bis nach Feldbach am schönen Zürichsee entlang. Ab dort ging es ins Zürichoberland mit einigen Wellen. Bei Uetikon am See wartete der ‚Beast‘ auf uns. Ein etwa 2km relativ steiler Anstieg, und sogleich folgte eine kurze Abfahrt nach Egg und wieder hoch auf die Forch. Auf der Forch habe ich meine 2. Iso-Flasche hinterlegt, welche ich dort wieder gefunden habe, puhh hat geklappt. Meine Familie und die anderen vielen bekannten Gesichter haben mich dann dort auch lautstark empfangen. Mit einem Affenzahn die Abfahrt von Küsnacht gemeistert, um den Seebecken und ab auf den ‚Heartbreak Hill‘ in Kilchberg. Wow, ich war ja sicherlich als Fan schon 7 Mal an der Strecke, aber als Athlet dort hinaufzufahren und den gefühlten 10‘000 Zuschauern welche dich anfeuern, ist schon was Tolles. Dort oben habe ich auch viele FreeRadicals gesehen welche mit hochgetragen haben. Kurz was getrunken und die gleiche Runde ein zweites Mal. Die erste Runde ging relativ gut und ich konnte meine Pace und die Nahrung wie im Vorfeld mit meinem Coach besprochen gut umsetzten.

Auf der zweiten Runde, merkte ich langsam dass ich Müde werde und ich die Aeroposition nicht durchgehen bis Feldbach halten konnte, was mir bei der ersten Runde ohne Probleme ging. Ich versuchte mich zu fokussieren, und konnte die Schlüsselstellen im Zürichoberland relativ gut absolvieren. Jetzt noch noch ein letztes Mal hinauf auf den ‚Heartbreak Hill‘, kaum bin ich von der Seestrasse abgebogen, schnell noch runter Schalten, und hinauf. Plötzlich kein Vortrieb, was ist passiert? Schei.. die Kette ist in der Steigung runtergesprungen, okay ruhig bleiben absteigen und die Kette wieder reinlegen. Mit diesem kleinen Malheur konnte ich die Radtrecke in 06:10:01h absolvieren.

T2:
Jetzt wieder ein rascher Wechsel und noch die letzten 42.2km durchrocken. Ich stellte mein Bike ab, will zu den Bag’s rennen, schei… die Salztabeltten sind noch in der Tasche beim Bike. Okay, dass kennen wir schon vom Morgen her, nochmals zurück die Salztabletten in den Tri-Anzug verstauen und jetzt kann ich wechseln. Der Wechsel ging rasch, dennoch habe ich mir die Zeit genommen um mich mit Sonnencreme einzucremen, diese 30 Sekunten waren es mir wert. Okay, aber jetzt gibst du Gas, genau 50 Meter, schei… die Schuhe nicht festgezogen, okay nochmals kurz anhalten, runter, und jetzt aber ab. 100 Meter später sah ich ein Toi Toi, super, jetzt schnell pinkeln, aber jetzt geht’s ab.

RUN:
Die Laufstrecke durfte man in 4 Loops absolvieren und es war eine angenehme, abwechslungsreiche Strecke. Die ersten 2 Runden konnte ich gut in ca. 2h absolvieren, aber ich merkte schon, dass ein Sub4 Marathonzeit vermutlich am heutigen Tag nicht realistisch sein würde. Die Hitze hat mir etwas zu viel Körner gekostet. Auch die Aufnahme von Gel’s konnte ich eigentlich ab der Radstrecke nicht mehr aufnehmen, so musste ich zu Plan B wechseln und mich mit Cola und Salztabletten durch den Marathon bringen, was auch überraschenderweise sehr gut ging. Wenn ich die Laufzeiten anschaue, glaube ich nicht, dass ich massiv langsamer wurde, aber bei den Verpflegungsstationen verbrauchte ich immer mehr Zeit für die Verpflegungsaufnahme. Es war schön viele bekannte Gesichter auf der Laufstrecke zu begegnen, die mich mit voller Inbrunst angefeuert haben, vor allem auf der letzten Runde war es doch sehr motivierend.

Mein Ziel war den Ironman Switzerland unter 12 Stunden zu finishen, aber auf der letzten Laufrunde habe ich mich eigentlich damit abgefunden, dies nicht zu schaffen. Dennoch habe ich versucht die letzten 2 Kilometer etwas Gas zu geben und dennoch eine passable Zeit zu realisieren. Die letzte Verpflegungsstation habe ich ausgelassen und habe noch alles gegeben, was noch möglich war. Es fühlte sich wie ein Sprint an, aber auf den Videos sieht es eher nach einem lockeren Footing aus. J

Nach 4:18:27h konnte ich endlich in den Zielkanal einbiegen und habe mich richtig feiern lassen, Gänsehaut pur. Die Schlusszeit war mir immer noch nicht bekannt. Nach einigen Jubelschreie und Fotos, habe ich mich gaaaanz, wirklich gaaaanz langsam in den Athleten Garden begeben um mich zu duschen kurz etwas zu essen und meine Finisher Medaille zu gravieren. Und erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich meinen ersten Ironman in 11:59:44h gefinisht hab. Wow, dass nenne ich mal eine gute Renneinteilung.

Fazit:
Das Schwimmen ging überraschend gut, kann aber sicherlich noch etwas Zeit rausholen. T1, nimm das nächste Mal den richtigen Beutel. Das Radfahren habe ich innerhalb von 6h absolvieren wollen, was mir nicht ganz gelang, hier habe ich sicherlich das grösste Potenzial, eventuell fuhr ich auch etwas auf der sichereren Seite, damit ich mich auf dem Marathon nicht abschiesse. Das Laufen war okay, war an diesem Tag war für mich einfach nicht mehr drin.

Verpflegung ging sehr gut auf dem Rad, da hatte ich ein Bidon mit 10 Gels, welche ich immer pro Stunde zum nächsten Strich getrunken habe. Die ganze Radstrecke habe ich mich nur flüssig ernährt, ging meiner Meinung nach sehr gut. Aber ich merkte, dass ich gegen Ende der Radstreck den Gel fast nicht mehr runterbrachte, deshalb musste ich auf der Laufstrecke auf Cola umstellen.

Dennoch bin ich mit meinen ersten Ironman trotz der kleinen Problemchen sehr zufrieden und danke allen die mich auf meinem Weg dahin begleitet und meine Launen erduldet haben. Meiner Familie danke ich, dass sie mich in allen unterstützt haben, vor allem in den intensiven Trainingswochen. Dem Coach Selim Cevik für die tolle Begleitung während gut einem Jahr. Die vielen Ausfahrten mit den FreeRadicals haben die langen Trainingseinheiten schneller vorbeigehen lassen. Und alle anderen Menschen, die ich nicht aufgeführt habe, aber immer an mich geglaubt haben, gebührt ein grosses Dankeschön.

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